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Für Ärzte - INR-Selbstmanagement


Unter einer oralen Antikoagulation mit Vitamin K-Antagonisten (VKA) wie Phenprocoumon sind wiederholte Kontrollen des INR-Wertes ("International Normalized Ratio") zwingend erforderlich, um die Einstellungsqualität zu überprüfen und ggf. durch Anpassung der Dosierung des Antikoagulans zu optimieren. Diese INR-Kontrollen können durch den betreuenden Arzt erfolgen, wobei eine venöse Blutentnahme durchgeführt werden muss. Als Alternative hierzu steht die Möglichkeit einer INR-Selbstkontrolle durch den Patienten unter Verwendung eines sogenannten Gerinnungsmonitors.

 

In Deutschland hat sich die Form der INR-Selbstkontrolle als sogenanntes INR-Selbstmanagement ("Patient-Self-Managemant" [PSM]) fest etabliert. Hierbei bestimmt der Patient seine INR-Werte selbst mit einem Gerinnungsmonitor und legt anhand des gemessenen INR-Wertes seine Antikoagulanziendosierung eigenständig fest. Der Patient ist hierbei nach entsprechender Schulung "Experte in eigener Sache", der betreuende Arzt steht jedoch bei Problemen die Antikoagulation betreffend stets hilfreich zur Seite.

 

Ein INR-Selbstmanagement ist in vierlei Hinsicht vorteilhaft für den Patienten:

 

  • der Patient hat eine größtmögliche Unabhängigkeit
  • die Notwendigkeit von Arztbesuchen und Blutentnahmen kann deutlich reduziert werden
  • die Einstellungsqualität der INR-Werte kann optimiert werden, durch die bessere Einstellungsqualität wird das Risiko für thrombotische/thromboembolische Ereignisse sowie Blutungskomplikationen unter der Antikoagulation im Vergleich zum konventionellen Management deutlich reduziert

 

Grundvoraussetzung für die Durchführung eines INR-Selbstmanagements ist die Erfordernis einer langfristigen bzw. dauerhaften oralen Antikoagulation mit einem Vitamin K-Antagonisten. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgt in jedem Fall bei mechanischem Herzklappenersatz, bei dem eine langfristige Antikoagulation mit einem Vitamin K-Antagonisten (VKA) lebenslang erforderlich und alternativlos ist. Bei anderen Indikationen für eine langfristige Antikoagulation mit VKA ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse in der Regel nur dann möglich, wenn zusätzliche rechtfertigende Gründe für die Durchführung eines INR-Selbstmanagements vorliegen; dies können etwa schwierige Venenverhältnisse sein, die das konventionelle Management durch die erschwerten Blutentnahmen komplizieren. 

 

Für die durchführung eines INR-Selbstmanagements ist zunächst die Teilnahme des Patienten an einer Schulung in einem Schulungszentrum erforderlich. In manchen Fällen ist auch die Schulung von Angehörigen möglich, wenn der Patient selbst nicht in der Lage ist, die Messungen durchzuführen (z.B. Vorliegen einer Behinderung oder bei Kindern). Grundsätzlich erfordert die Schulung ausreichende körperliche und geistige Fähigkeiten der zu schulenden Person.

 

In unserer Einrichtung können Schulungen zum INR-Selbstmanagement mit verschiedenen Gerinnungsmonitoren durchgeführt werden. Die Patienten können mit der Frage eines INR-Selbstmanagements bei uns vorgestellt werden. Insofern hierfür die Grundvoraussetzungen erfüllt und der Patient körperlich und intellektuell für eine Schulung geeignet ist, werden wir dann bei Einvernehmen des Patienten einen Antrag auf Kostenübernahme bei der zuständigen krankenkasse stellen. Bei Kostenzusage der Krankenkasse werden wir dann eine entsprechende Schulung bei dem Patienten durchführen, nach dieser Schulung erhält der Patient in der Regel durch die Krankenkasse einen Gerinnungsmonitor.

 

Patienten, die ein INR-Selbstmanagement durchführen, können langfristig an unsere Einrichtung angebunden werden. Üblicherweise wird diesen Patienten angeboten, sich etwa zweimal jährlich elektiv bei uns vorzustellen, um die Qualität der Antikoagulation unter Selbstmanagement zu überprüfen und ggf. Empfehlungen zur weiteren Antikoagulation zu geben. Auch bei Problemen die Antikoagulation bzw. INR-Selbstmanagement betreffend stehen wir den Patienten und den betreuenden Ärzten gern hilfreich zur Seite.  

 

 

Diagnostik und Behandlung von Gerinnungsstörungen in einer Hand.